Adolf Halbey, Urlaubsfahrt

koffer koffer kindertragen
flaschen taschen puppenwagen
papa mama koffer kinder
autokarte notlichtblinker
frühgeweckt gefrühstückt raus
winke winke schlüssel haus
autobahnen autoschlange
kinderplappern mama bange

schlange kriechen sonne heiß
stinken staub benzin und schweiß
stockung hunger mama brote
papa skatspiel radio: tote

schlafen schimpfen hupen schwitzen
weiterfahren weitersitzen
müde mitternacht hotel pension
dreißigtausend warten schon

How romantic, isn’t it?

Warum haben die alle Flügel?

Mit einem Bild anzufangen ist viel einfacher als mit einem Wort. Wir sind gerade in der Phase des Textstrichs, da kann jedes Wort zuviel sein, oder  es könnte einem im Munde herumgedreht werden. Den Text Wort für Wort zu übernehmen ist nicht sinnvoll, soviel wissen wir schon, ihn überall wörtlich zu nehmen ist möglicherweise auch problematisch.
Wenn ich jetzt  anfange, den Text zu streichen, dann muss ich mir jedes Wort genau ansehen, ideal wäre eigentlich, dass ich mir den englischen Text auch ansehe, denn vieles ist in der deutschen Übersetzung, da man eben nicht Wort für Wort übersetzen kann, ganz anders als im englischen Text.

Vieles deutet wieder auf einen Prozess hin. Wir werden streichen, aber nicht genug. Dann werden wir beim Spielen erkennen, dass zu viele Wörter das Spiel hemmen. Wir werden sie weglassen oder durch Subtext ersetzen, aber nur dort, wo Shakespeare heute nicht mehr verstanden wird. Es ist sicher, dass das Publikum heute bildhafte Sprache nur bedingt versteht und schon gar nicht schätzt. Dennoch müssen wir ihm Bilder zumuten. Wir müssen sie aber sprachlich herausmeiseln und so in den Raum stellen, dass man sie regelrecht sieht. Das trifft auch auf die sehr subtile Gefühlsstruktur des Stückes zu, genauso wie auf die Doppelbödigkeiten, mit denen uns Shakespeare in die Irre führen will.

Jugendjahre und erster Erfolg | Bildgalerie | Deutsche Welle

DW-World.de – Deutsche Welle
Jugendjahre und erster Erfolg

Bertolt Brecht kommt am 10. Februar 1898 in Augsburg als Eugen Berthold Friedrich Brecht zur Welt. Erst als junger Dramatiker benennt er sich in Bertolt um. Nach seinem Abitur studiert Brecht zunächst in München Medizin, bricht sein Studium aber 1921 endgültig ab. Ein Jahr später erscheinen seine ersten Dramen „Baal“ und „Trommeln in der Nacht“, für die er kurz darauf mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet wird. Das Bild zeigt ihn als 20-Jährigen im Jahr 1918.

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Strandlondon

Goethe-Institut Brechts Erbe

Klassiker mit Langzeitwirkung – Brechts „Erben“ in Deutschland

Wer anfängt, nach Spuren Brechts in den Arbeiten zeitgenössischer Regisseure zu suchen, fürchtet zunächst, detektivische Fähigkeiten entwickeln zu müssen. Denn Brecht ist nicht mehr Bestandteil des Diskurses. Weder im Theater, wo sein wechselhaftes Werk zwar zum Kanon zählt, aber mit Ausnahme der Dreigroschenoper ziemlich selten gespielt wird, noch in der Wissenschaft, die den umfassend erfassten Dramatiker höchstens noch auf seine performativen Potenziale hin untersucht. Ganz zu schweigen von den Feuilletons.

Historie: Schauspieltheorien > Bertolt Brecht

Bertolt Brecht (1898-1956)

Im Gegensatz zu Stanislawskis Methode der Einfühlung steht Bertolt Brechts Technik der Verfremdung. Ende der 1930er entstand seine Schrift „Kurze Beschreibung einer neuen Technik der Schauspielkunst, die einen Verfremdungseffekt hervorbringt“. Zu dieser Zeit war Stanislawskis Methode in Deutschland bereits als Ideal der Schauspielkunst etabliert. Brechts Schrift grenzte sich von Stanislawskis Methode ab, nutzte jedoch deren Status als Standard. Die Art von Theater, die Brecht vorschwebte, war eine Verfremdung der gängigen Praxis.

Nach Brechts Ansicht sollte das Bühnengeschehen keine Illusion der Wirklichkeit herstellen. Vielmehr sollte es eine Demonstration von Umständen sein. Brecht forderte ein analytisches Theater, dass das Publikum nicht zum Einfühlen auffordert, sondern zum Nachdenken und Hinterfragen anregt. Um das Publikum in diese Haltung zu versetzen, müssten alle Elemente der Aufführung demonstrativ als Gegenstand der zu untersuchenden Situation sichtbar sein.

Der Schauspieler solle sich nicht mit seiner Rolle identifizieren und sich vollständig in sie verwandeln. Beim Spiel solle er sie ständig in Frage stellen. Die Figur auf der Bühne sollte als „leibhaftige[r] Widerspruch von Schauspieler und Rolle“ (1) fungieren.