ensemble am bunsen

Theorie und Praxis des epischen Theaters

Veröffentlicht in Episches Theater von ottoessig am 21. Mai, 2009

Text 1

Die folgenden 11 Zitate aus verschiedenen dramentheoretischen Schriften Bertolt Brechts über die Theorie und Praxis des epischen Theaters gehören zu den für seine Dramen- und Theatertheorie wirkungsvollsten Aussagen.

Text 1:
„Das Wesentliche am epischen Theater ist vielleicht, dass es nicht so sehr an das Gefühl, sondern mehr an die Ratio des Zuschauers appelliert. Nicht miterleben soll der Zuschauer, sondern sich auseinandersetzen.“[1]

Text 2:
Im Gegensatz zum traditionellen Theater soll der Zuschauer im epischen Theater Brechts
„nicht mehr aus seiner Welt in die Welt der Kunst entführt, nicht mehr gekidnappt werden; im Gegenteil sollte er in seine reale Welt eingeführt werden, mit wachen Sinnen.“[2]

2 Antworten

Abonniere die Kommentare per RSS.

  1. Lukas sagte, am 22. Mai, 2009 zu 11:51 am

    Das mit dem gesellschaftlichen Gestus bei 6 und 7 verstehe ich nicht ganz.
    Was wäre ein Beispiel für einen sozialen Gestus und wie wird er verfremdet?
    Und wo gibt es in unserem Stück Stellen, wo das auftaucht?

    • ottoessig sagte, am 22. Mai, 2009 zu 2:58 pm

      Lieber Lukas, ein gesellschaftlicher Gestus ist bei Brecht ein Gestus, also ein Komplex aus allen darstellerischen Mitteln, bei dem die gesellschaftlichen Auswirkungen auf das Individuum oder eine Gruppe zum Ausdruck kommen. Beispiel: Die Bettler sind Angehörige einer gesellschaftlichen Gruppe, die Missachtung, Zurückweisung und Unterdrückung erfährt. Dies soll als Gestus in ihrem Spiel sichtbar werden. Es wäre also kein individuell motivierter Gestus, sondern einer, den die Figur durch ihre soziale Prägung erhalten hat.
      Das heißt im Falle der Bettler ganz einfach: die soziale Missachtung etc., die sie erfahren und die sie ja in der Szene auch explizit vermittelt bekommen, muss zum Ausdruck kommen und darf nicht übertüncht werden durch den Ausdruck eines Musikers, der mit seinem Spiel recht zufrieden ist oder durch sonst eine Art von Wohlbefinden.
      So wahnsinnig relevant ist das in der kurzen Szene unserer Musiker ja nicht, aber immerhin, sie sind die Opfer einer Gesellschaft und darauf kommt es Brecht natürlich schon an.
      Wie wäre es übrigens, wenn du sie nicht gleich entlässt, sondern ihnen eher androhst, sie beim nächsten Mal rauszuschmeißen? Sie bleiben ja auch da und die Missachtung, die sie erfahren ist trotzdem sehr stark.
      Liebe Grüße


Einen Kommentar hinterlassen